Berlin Graduate School of Social Sciences
Ob es bei den Forschungsthemen um Menschenhandel mit Frauen im europäischen Vergleich geht, den Sicherheitsdiskurs in der polnischen Außenpolitik oder um Einkommensunterschiede in Chile: In die BGSS kommen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die zur Fähigkeit moderner Gesellschaften mit Problemen wie Inklusion und Exklusion, Diskriminierung und Vielfalt oder auch Heterogenität und Individualisierung umzugehen, forschen wollen. Der zweite, damit eng verbundene Forschungsschwerpunkt ist die Demokratieforschung. Hier befassen sich die Doktorandinnen und Doktoranden in vergleichender Perspektive mit Bedingungen, die für die Etablierung, Stabilität und Entwicklung demokratischer Strukturen wichtig sind, sowie aktuellen Problemen von Demokratien.
Video: "Vergleichende Integrations- und Demokratieforschung"
So wie das Institut für Sozialwissenschaften der HU in seinem Profil ungewöhnlich ist, es vereinigt die Soziologie und die Politikwissenschaften, so unterscheidet sich auch die BGSS in ihrem Profil von anderen Graduiertenschulen. Dem Sprecher der BGSS, Prof. Klaus Eder, geht es vor allem darum, die theoretische Komponente der Graduiertenschule herauszustellen. "In den europäischen Sozialwissenschaften steht traditionell eine starke Theorienbildung mit starker empirischer Forschung im Vordergrund, diese Tradition wollen wir weiter ausarbeiten und uns auf diese Weise vor allem von außereuropäischen Graduiertenschulen abgrenzen". Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Netzwerkbildung mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und internationalen Partneruniversitäten. Durch gemeinsame Seminare, Methodenkurse und Lectures werden die Promovierenden der BGSS in ihrer Arbeit gezielt unterstützt. Innerhalb und zwischen den verschiedenen Generationen von BGSS-Promovierenden herrscht eine kollegiale Atmosphäre, die neben den gemeinsamen Veranstaltungen auch durch die gut ausgestatteten Doktorandenbüros im Haus der Graduate School erreicht wird.
Unterstützung durch Professoren und Kommilitonen
Für Nir Levy bot die Graduiertenschule vom Profil her "die einzige Möglichkeit, in einem strukturierten Programm in Deutschland auf Englisch zu forschen". Der Nachwuchswissenschaftler arbeitet zu Immigration und sozialer Mobilität im deutsch-israelischen Vergleich und führt seine Forschungsarbeiten, die auf statistischen Daten basieren, in beiden Ländern durch. Dabei betrachtet er die gesellschaftlichen Aufstiegschancen von Kindern der deutschen Vertriebengeneration, die von 1943 bis 1948 in das Gebiet der heutigen Bundesrepublik geflüchtet ist, und vergleicht sie mit dem Werdegang von Kindern israelischer Immigranten des gleichen Zeitraums. Levy profitiert nicht nur vom Netzwerk der Graduiertenschule, sondern auch vom SESS: Das Kürzel steht für Socio-Economic and Statistical Studies und ist ein europäischer Zusammenschluss sozialwissenschaftlicher Institute in der Graduiertenausbildung mit Geschäftsstelle an der BGSS. Über das SESS konnte der Doktorand seine Forschungsergebnisse bereits auf einer internationalen Konferenz vorstellen und steht mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Kontakt, die zu ähnlichen Themen forschen. "Ich schätze sehr, dass wir bei Bedarf von allen Seiten viel Unterstützung erhalten, von den betreuenden Professoren, den Kommilitonen oder auch der Geschäftsstelle der BGSS", unterstreicht Levy.
Die BGSS nimmt bei jährlich rund 300 Bewerbern bis zu 15 Kandidatinnen und Kandidaten aus der ganzen Welt auf
Da sich die Wissenschaftstraditionen der unterschiedlichen Länder unterscheiden und die Ausbildungsstandards unterschiedlich sind, haben Graduierte die Möglichkeit, fehlendes Wissen schnell nachzuholen. "Wir bieten ein Introductory Year an, das talentierten ausländischen Graduierten die Möglichkeit bietet, fehlendes Basiswissen in Theorie und Methodenlehre zu erlangen", erklärt Professor Eder. Auch begabte Studierende der verschiedenen Masterprogramme am Institut für Sozialwissenschaften profitieren vom 1 plus 3-Modell. Sie können per "Research Track" im zweiten Master-Jahr gleichzeitig in das Einführungsjahr der Graduiertenschule aufgenommen werden und schreiben ihre Master-Arbeit als Pilotprojekt für ihre Doktorarbeit.
Neben der Forschung für die Promotion, die kontinuierlich von der Erstbetreuerin bzw. dem Erstbetreuer und einer Betreuungskommission mit weiteren Hochschullehrern begleitet wird, besuchen die Graduierten in dem dreijährigen Promotionsprogramm Theorieseminare und Methodenkurse, müssen Konferenzpapiere und Aufsätze einreichen und Zwischenergebnisse ihrer Arbeit vorlegen. Die im wissenschaftlichen Ausbildungsprogramm gesammelten Credit Points erscheinen später in einem ergänzenden Zertifikat der Promotionsurkunde. Mit einem zusätzlichen freiwilligen Mentoring-Programm werden promovierende Frauen und Männer auf eine wissenschaftliche Karriere oder auch auf andere Berufsfelder ihrer Wahl vorbereitet. Nach Abschluss der BGSS stehen den frisch gebackenen Doktoren viele Türen offen: angefangen von der wissenschaftlichen Karriere, über Tätigkeiten in der Politikberatung, den Medien sowie Parteien, Verbänden, öffentlicher Verwaltung und Wirtschaft.
Enge Zusammenarbeit mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen
Mit renommierten Institutionen wie dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung oder dem Centre Marc Bloch werden gemeinsame Workshops und Lectures durchgeführt. Die Promovierenden der BGSS können an Forschungsprojekten in der außeruniversitären Forschung teilnehmen und Praxiserfahrung sammeln. Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der außeruniversitären Partner können neben Trainingsangeboten der BGSS auch universitäre Lehraufgaben wahrnehmen. Die BGSS pflegt außerdem Netzwerke zu internationalen Partneruniversitäten. Die Graduierten haben die Möglichkeit, dort Forschungsaufenthalte durchzuführen. Zu dem Netzwerk gehören beispielsweise das Europäische Hochschulinstitut und das Istituto Italiano di Scienze Umane in Florenz, die Middle East Technical University in Ankara, die Duke University in Durham/ North Carolina und das Kings College in London.
Partner
- Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
- Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
- Centre Marc Bloch (CMB)
- Hertie School of Governance (HSoG)
- Institut für Qualitätssicherung im Bildungswesen (IQB)