Direkt zum Inhalt Direkt zur Suche Direkt zur Navigation
Informationen

Sprecherin

Prof. Dr. Dr. h.c. Gudrun Krämer
Freie Universität Berlin

Website

www.bgsmcs.fu-berlin.de

Humboldt-Universität zu Berlin - Exzellenzinitiative

Humboldt-Universität zu Berlin | Exzellenzinitiative | Graduiertenschulen | Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies

Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies

Wenn aus Liebe der Glaube gewechselt wird: Die Doktorandin Frauke Kandale erforscht chinesische Konvertiten in Malaysia

Frau Tan ist eine besorgte Mutter. Als sich in ihrem Heimatdorf erste Gerüchte breit machten, dass ihr Sohn Danial eine malaiische Freundin hat, ist sie in die Stadt gezogen, um ein Auge auf ihn zu werfen und Schlimmeres zu verhindern. Was Frau Tan zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ihr Sohn war bereits mit der Malaiin verheiratet und vom Buddhismus zum Islam übergetreten. Die chinesische Familie des Konvertiten wusste nichts davon.

Diese seltsame Geschichte aus der malaiischen Stadt Penang ist kein Einzelfall, vielmehr spiegelt sie wider, was in Malaysia, dessen Mehrheitsbevölkerung muslimischer Konfession ist, öfter vorkommt. "Chinesen konvertieren zum islamischen Glauben, vor allem um ihre malaiischen Partner heiraten zu dürfen, trauen sich aber häufig nicht, diesen Schritt der Familie mitzuteilen", erklärt Frauke Kandale. Sie ist Doktorandin an der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies, die sich mit dem Einfluss des Islam auf Kultur, Recht und Politik muslimisch geprägter Gesellschaften beschäftigt und auch das Neben-, Mit- und Gegeneinander von Muslimen und Nichtmuslimen in Europa, Afrika und Asien beleuchtet.

Video: "Facettenreicher Islam"

 

Frauke Kandale hat für ihre ethnologische Arbeit "Muslim werden: Chinesische Muslime in West-Malaysia" acht Monate lang mit ihrer Familie in Penang gelebt, chinesische Konvertiten interviewt und sie in ihrem Alltag begleitet. "In Malaysia stellen die Malaien etwa 60 Prozent der Bevölkerung,  beträchtliche Bevölkerungsanteile sind chinesischer und indischer Herkunft", berichtet die Forscherin, die von Südostasienwissenschaftler Vincent J.H. Houben betreut wird.

"Auch wenn er sich als moderater islamischer Staat bezeichnet, so lässt sich in den letzten Jahrzehnten eine Islamisierungswelle in Malaysia verzeichnen", erklärt die Wissenschaftlerin. Muslim sein oder nicht ist häufig entscheidend bei wichtigen Fragen des alltäglichen Lebens, beispielsweise bei der Vergabe von Stipendien, Krediten oder begehrten Positionen im Staatsapparat. Außerdem ist die Heirat mit einem Nicht-Muslim für muslimische Malaien verboten. "Laut Verfassung ist Malaie, wer Muslim ist, die malaiische Sprache spricht und malaiische Bräuche praktiziert. Dies führt dazu, dass ein Übertritt zum Islam mit einem Übertritt zum Malaientum gleichgesetzt wird."

Offiziellen Zahlen zufolge sind zwischen 1980 und 2001 102.997 Malaysier zum Islam übergetreten. "Die wirklichen Zahlen liegen aber wohl weitaus höher, denn die frühen Statistiken sind unvollständig. Etwa die Hälfte der Konvertiten sind Chinesen."

Der Wechsel der Religion ist für viele Konvertiten nicht so einfach, zumal gerade die Vertreter der jüngeren Generation häufig versuchen, besonders gute Muslime zu sein und sich streng an die Regeln halten. Sie müssen sich an neue Sitten und Gebräuche gewöhnen, "Ein Konvertit war bei seinen malaiischen Schwiegereltern zum Opferfest eingeladen und war ziemlich verstört, als er das Schächten eines Tieres miterleben musste", berichtet die Doktorandin. Es gibt auch Chinesen, die nur auf dem Papier die Religion wechseln, und ihren chinesischen Traditionen treu bleiben oder auch versuchen, beides unter einen Hut zu bekommen. Andere Chinesen, wie Bruder Lim, haben aus ihrer Konversion eine Profession gemacht. Er ist muslimischer Prediger und hat es zu Ansehen, nicht nur unter jungen konvertierten Chinesen gebracht, sondern auch unter der ursprünglich malaiischen Bevölkerung. Und auch seine chinesische Familie begrüßt mittlerweile den Übertritt, weil er viel Geld verdient und sich ein großes Auto leisten kann.

Zusammenfassung

Die Graduate School Muslim Cultures and Societies wird im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert. Die Sprecherschaft liegt bei der Freien Universität, die Asien und Afrikawissenschaften der Humboldt-Universität sind beteiligt. Das dreijährige Studienprogramm beinhaltet neben einem Jahr Archiv- oder Feldforschung und dem Schreiben der Arbeit, eine Reihe von Pflichtveranstaltungen im Bereich Wissenstransfer und - management. Abgerundet wird das Programm durch den intensiven Austausch der Doktoranden untereinander und durch Sprachkurse, Soft-Skill-Kurse, Workshops und Ergänzungsseminare an Berliner Wissenschaftseinrichtungen, die von den Promovierenden ausgewählt werden können.