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Informationen

Sprecher

Prof. Dr. Christian Rosenmund

Charité – Universitätsmedizin Berlin

Website

www.neurocure.de

Humboldt-Universität zu Berlin - Exzellenzinitiative

Neurocure - Neue Perspektiven in der Therapie neurologischer Erkrankungen

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit erkranken an Störungen des zentralen Nervensystems. In Deutschland erleiden etwa 250.000 Menschen jährlich einen Schlaganfall, 15 Prozent dieser Patientinnen und Patienten sind dauerhaft pflegebedürftig und die Sterblichkeit liegt im ersten Jahr nach dem Schlag bei 40 Prozent. Über eine halbe Million Deutsche sind an Entwicklungsstörungen des zentralen Nervensystems, wie beispielsweise Epilepsie oder Autismus erkrankt. Deutschlandweit gibt es 120 000 bis 140 000 an Multiple Sklerose-Erkrankten. Eines haben diese Erkrankungen gemeinsam: Die Medizin kann heute helfen, ihre Auswirkungen zu lindern, eine Heilung ist jedoch oft nicht möglich.

Dies wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters "NeuroCure – Neue Perspektiven in der Therapie neurologischer Erkrankungen" ändern. Der gemeinsame interdisziplinäre Forschungsverbund der Humboldt-Universität und der Freien Universität an der Charité hat das Ziel, Ergebnisse aus der neurowissenschaftlichen Grundlagenforschung noch stärker als bisher in klinische Studien zu überführen und neue Therapien zu entwickeln.

Video: "Neue Perspektiven bei neurologischen Erkrankungen"

 

Im Fokus der Forschung stehen die Erkrankungen Schlaganfall, Multiple Sklerose und Entwicklungsstörungen des zentralen Nervensystems. Sie haben trotz unterschiedlicher Ursachen und Auswirkungen auch viele Gemeinsamkeiten. So ist heute bekannt, dass immunologische Prozesse nicht nur in den primär entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, wie der Multiplen Sklerose, eine wesentliche Rolle spielen, sondern auch in vorrangig nicht entzündlichen Erkrankungen wie dem Schlaganfall. Vor diesem Hintergrund stehen nicht nur die einzelnen Erkrankungen im Mittelpunkt der Forschungstätigkeiten, sondern ihre gemeinsam zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen.

Kliniker und Grundlagenforscher arbeiten eng zusammen

Um Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schnell in Therapien einfließen zu lassen, wird jeder Forschungsschwerpunkt gemeinsam durch eine Grundlagenforscherin oder einen Grundlagenforscher und eine Klinikerin oder einen Kliniker geleitet. Sie arbeiten in dem neu eingerichteten klinischen Forschungszentrum, dem NeuroCure Clinical Research Center (NCRC), zusammen. Ein weiterer zentraler Baustein des Exzellenzclusters ist ein »Interdisziplinäres Zentrum für Moderne Bildgebung«, das zurzeit an der Charité entsteht. Hier sollen neue Bild gebende Verfahren zur besseren Erforschung von Hirnfunktionen entwickelt, getestet und auch Therapie-begleitend genutzt werden.

Mit NeuroCure wird der ohnehin schon attraktive neurowissenschaftliche Standort Berlin durch über 20 neu eingerichtete Professuren und Arbeitsgruppen weiter gestärkt. Hierzu stehen im Rahmen der Exzellenzinitiative bis zum Jahr 2017 über 80 Millionen Euro zur Verfügung. Rund 20 Professoren haben ihre Forschungsarbeit in Berlin bereits aufgenommen. Für das große Interesse am Forschungscluster sprechen auch die mehr als 500 Bewerbungen aus über 20 Ländern. Unter den neu berufenen Professorinnen und Professoren sind auch Forscher, die von renommierten Institutionen im Ausland nach Berlin wechselten – darunter auch Christian Rosenmund, der vom Baylor College in Houston, einer der führenden medizinischen Hochschulen in den USA, an die Spree gekommen ist.

Datenverarbeitung im Gehirn

Den Neurowissenschaftler interessieren die molekularen Prozesse in der Kommunikation von Nervenzellen. Die Datenverarbeitung im menschlichen Gehirn wird durch ein Netzwerk von etwa 100 Milliarden Nervenzellen organisiert. Christian Rosenmund untersucht die Funktion von Synapsen, den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen und anderen Zellen, in diesem Prozess. Heute geht man davon aus, dass Lern- und Gedächtnisprozesse oder auch Gefühle durch eine Verstärkung oder Abschwächung der synaptischen Übertragung entstehen. Christian Rosenmund, der in den vergangenen Jahren auch am Max-Planck-Institut in Göttingen gearbeitet hat, hat dazu beigetragen diese hochkomplexen Prozesse, die sich mehrere Millionen Mal in der Sekunde in unserem Gehirn abspielen, besser zu verstehen. Er hat auch zeigen können, wie Störungen an Synapsen zu Autismus und anderen neurologischen Erkrankungen führen können.

Die zurzeit mehr als 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von NeuroCure und ihre Arbeitsgruppen untersuchen unter anderem auch die evolutionär bedingten und stereotypen Abläufe beim Absterben von Zellen, um Therapiemöglichkeiten zu finden. Denn Nervenzellen vor dem Untergang zu schützen, ist eine der wesentlichen Herausforderungen bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson und Demenz. Auch körpereigene Schutzmechanismen werden im Hinblick auf neue Therapieansätze erforscht. So werden bei einer verminderten Durchblutung des Gehirns, beispielsweise beim Schlaganfall, Zellen in der direkten Umgebung der Schädigung aktiviert, diese sind dann bei einer zweiten Schädigung widerstandsfähiger. Durch diese Mechanismen, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verstehen möchten, schützen sich einzelne Zellen vor zukünftigen Schäden. Grundsätzlich vermag sich das zentrale Nervensystem nach einer Minderdurchblutung des Gehirns oder der Zerstörung von Zellen jedoch kaum selbst zu regenerieren. Diese und viele andere Fragen bewegen die an NeuroCure Beteiligten – sie arbeiten intensiv daran, sie zu lösen.

Forscher initiierte klinische Studien

Im Mittelpunkt von NeuroCure steht nicht allein die Erforschung neurowissenschaftlicher Prozesse und Mechanismen, sondern die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung sollen auch zügig in klinisches Handeln umgesetzt werden. Dazu werden die aus Laborversuchen gewonnenen Erkenntnisse im Rahmen von Investigator Initiated Trials (IITs) überprüft. Hierbei handelt es sich um nichtkommerzielle klinische Studien, bei denen die Gesamtverantwortung nicht bei einem pharmazeutischen Unternehmen liegt. Es werden sowohl neue Therapien als auch neue diagnostische Verfahren geprüft. Das Neuro-Cure Clinical Research Center (NCRC) bildet die Schnittstelle zwischen den Grundlagenforschern und Klinikern von NeuroCure. Es bietet die nötige Infrastruktur und Unterstützung, um klinische Studien gezielt durchzuführen.

 

Beteiligte Institutionen

  • Charité – Universitätsmedizin Berlin
  • Humboldt-Universität zu Berlin
  • Freie Universität Berlin

Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen

  • Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
  • Leibniz Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
  • Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ)